Bei einer Hochzeit

24.08.2019

Liebes Brautpaar,

ihr Trauspruch

Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.

stammt aus dem berühmten 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs. Da schwelgt Paulus geradezu im Lobpreis der Liebe und endet damit so: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe - diese drei! Aber am größten unter ihnen ist die Liebe.

Aller guten Dinge sind drei, sagt der Volksmund. Die besten Dinge aber sind Glaube, Hoffnung, Liebe - diese drei, sagt Paulus. Die besten Dinge auch für die Ehe! Ohne sie wäre die Ehe blutleer, nur ein juristischer Vertrag, nur Papier.

Die Liebe ja, ok, könnten manche einwenden. Klar, die Liebe ist das Salz in der Ehesuppe. Aber Glaube und Hoffnung? Schön, wenn einer glaubt. Das kann nicht schaden. Schön, wenn einer hofft. Aber ist das denn so wesentlich für die Ehe? Es gibt doch auch richtig gute und glückliche Ehen bei denen, die im Glauben nichts am Hut haben.

Glaube - Hoffnung - Liebe: ein Dreiklang. Der Apostel Paulus jedenfalls wirbt dafür und hält ihn für die schönste Melodie, die man sich im Leben nur vorstellen kann. Wie wirkt sich diese Dreiergruppe in der Ehe aus?

Zunächst der Glaube. Er ist kein feierliches "Sahnehäubchen", mit dem wir unsere Feste schöner machen. Er ist viel mehr Staunen und Freude und Dankbarkeit.
Staunen über die Wunder des Lebens.
Freude, dass Sie sich vor genau acht Jahren neu kennengelernt und verliebt haben. Ist dieses Sich-Finden Zufall? Oder Fügung? Hat da ein anderer seine Hand im Spiel?
Und dann die Dankbarkeit: Wir empfangen das Leben, wir empfangen die Liebe, wir "machen" sie nicht. Die Liebe ist kein Produkt. Sie ist ein Geschenk. Als Ihr Kind vor zweieinhalb Jahren geboren wurde, haben Sie wahrscheinlich dankbar gesagt: Wir haben ein Kind bekommen. Und nicht: Wir haben uns ein Kind angeschafft. Bekommen - so spricht man von Geschenken. Bekommen - von wem? Der Glaube sagt: von Gott. Immer macht er Geschenke. Sein größtes Geschenk ist Jesus Christus. In allem, was Jesus sagte und tat, hat er Liebe ausgestrahlt, bis hin in seinen Tod. Und da, gerade da, schenkt Gott wieder: schenkt Auferstehung.

Gott ist die Liebe, fasst die Bibel alles zusammen. Er ist der Erfinder und der Weltmeister der Liebe. "Wie Gott zu mir ist, so will ich zu dir sein," so könnte man den Glauben ganz kurz umschreiben. Wie Gott zu mir, so ich zu dir - so gut, wie ich kann, mit all meinen Macken und Grenzen. So will ich mit dir vor diesem Gott stehen und aufschauen zu ihm. Das wird unsere Ehe festigen und stärken. Wir sind getragen, wir sind gehalten. Wir müssen uns nicht selber alleiniger Halt sein!

Zweitens ist da bei Paulus die Hoffnung. Sie stirbt zuletzt, sagt der Volksmund. Aber sie ist bedroht: Dunkle Wolken, wohin man sieht. Krisen und Ängste in aller Welt. Das Klima jetzt vor allem. Aber die Hoffnung ist bedroht auch in den Ehen: Enttäuschungen, Druck des Alltags, Routine, immer dasselbe. Ist das alles? War das alles? War's das schon? Man könnte Vitaminspritzen der Ermutigung und der Hoffnung gebrauchen! Woher nehmen? Wieder schlage ich den Aufblick zu Gott vor. Er weitet unser Herz. "Du führst mich hinaus ins Weite", betet einer in den Psalmen. Ja, wir wollen die Weite erfahren. Nicht die Enge. Wir wollen nicht engherzig und engstirnig sein. Wir wollen uns von den Problemen des Alltags nicht erdrücken lassen. Und so setzen wir auf die Hoffnung. Sie ist offen für Überraschungen, sie ist voller Vertrauen, und sie weiß: Das Beste steht noch aus. Das Beste kommt noch!

"... doch das Größte unter ihnen ist die Liebe!" Das Zusammenhalten, die Sorge füreinander, die Freude aneinander, das Gehen miteinander - darauf kommt es an. "Für" und "Mit" - diese beiden kleinen Worte stehen für die Liebe. Füreinander, miteinander! Die Ehe ist ein wunderbarer Raum dafür. Das Verliebtsein und die "Schmetterlinge im Bauch", das rein Gefühlsmäßige vertieft sich und wird zur Treue. "Ich verspreche dir die Treue", so heißt es gleich im Trautext. Treue ist mehr, als nicht aus der Ehe auszubrechen - Treue ist etwas höchst Aktives. Ich vergleiche sie gern mit dem Blumengießen. Blumenfreunde werden ihre Blumen gießen und pflegen, sonst lassen sie ihre Köpfe hängen und vertrocknen. Menschenfreunde und allemal Eheleute werden den anderen, den "Partner" pflegen und ihm Gutes tun, sonst lässt auch er den Kopf hängen, und die Beziehung welkt und vertrocknet. Sie werden sicher Wege finden, um Ihre Ehe zu pflegen und schön zu gestalten - und Freude in den Tag zu bringen.

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei - aber das Größte unter ihnen ist die Liebe!" Gott segne und stärke diese drei großen Kräfte in Ihnen, dass sie Ihre Ehe prägen durch viele Jahre und Jahrzehnte hindurch, und dass Sie selber ein Segen sind, füreinander und für andere!