Auferstehung? Nichts ist unmöglich ...

Predigt am 05.05.2019

Ostern ist jetzt schon zwei Wochen vorbei. Die Zeitung hat zu Ostern vor allem von Osterfeuern berichtet: wie hoch die waren, und wie viele Leute dahin gingen. Von unseren Ostergottesdiensten las man nichts. In der Öffentlichkeit hört man so gut wie nichts von "Auferstehung" - wenn Christen und andere Menschen darüber reden sollten, hätte jeder wohl seine eigene Meinung dazu.

Was meint eigentlich "Auferstehung"? Dass Jesus nach seinem Tod wieder ins alte Leben zurückgekehrt ist? Dass der Tod am Kreuz nur eine Panne war? Ein Witz erzählt: Josef von Arimatäa, der das Grab für Jesus besorgt hatte, trifft den Hohenpriester der Juden, und der fährt ihn an: "Wie konntest du das nur machen: diesen Aufrührer Jesus beerdigen zu lassen?" Josef von Arimatäa beschwichtigt ihn: "Es war ja nur für ein Wochenende!"
Nein, so einfach und glatt ist das nicht mit der Auferstehung. Es ist auch nicht etwas, das nur das Weiterleben nach dem Tod, also das Jenseits betrifft. Ich möchte Ihnen folgendes Verständnis vorschlagen:

Auferstehung heißt, einen Weg mit Gott zu gehen und zu erfahren: Gott lässt dich nicht im Stich. Er geht mit dir in das Neue hinein, in das noch Unbekannte und Angst machende, z.B. in den Tod. Er lässt dich nicht fallen - nicht im Tod, aber auch nicht im Leben. Mitten im Leben kannst du wieder aufstehen aus allem, was dich niederdrückt. Mitten im Leben kannst du auferstehen - mit Gottes Hilfe!

Die Jünger und Anhänger Jesu, die geschockt waren von seinem Kreuzestod, haben das als erste erfahren. Sie spürten Jesu Nähe, eine neue und andere Gegenwart. Sie erfuhren eine große innere Kraft. Eine alles durchdringende Hoffnung, die keine Illusion war. Und in dieser Kraft zogen sie in die ganze Welt, und die Botschaft von diesem gekreuzigten und auferstandenen Jesus hat dann die Welt geprägt.

Auferstehung - das heißt z.B. auch Versöhnung, Vergebung. Vergebung ist eine Zwillingsschwester der Auferstehung. Ich bleibe nicht stecken im Alten, in der alten Feindschaft, im alten Hass. Gott lockt mich da heraus: Geh hinein ins Neue, das Du vielleicht erst mal für unmöglich hältst: in die langsame Annäherung mit dem Gegner, ins Gespräch, in den Frieden. Gott lässt mich nicht im Stich! Mitten im Leben - neue Möglichkeiten! Bei Gott ist nichts unmöglich. Und wenn ich mit Gott im Bunde bin, dann bei mir auch nicht! Gott ist eine Quelle, aus der immer neue Möglichkeiten des Lebens sprudeln.

Von dieser Quelle, von diesem neuen Leben kann man eigentlich nur "stammeln"! So fängt Religion an, so fängt Glaube an. Glaube fängt an mit dem Staunen! Und das Staunen "über Gott und die Welt" sollte nicht nur am Anfang sein, sondern uns immer begleiten. Das Staunen und die Dankbarkeit. Wenn das abstirbt und das "Unbeschreibliche" zerredet worden ist und nicht mehr aufhorchen lässt, dann wird der Glaube eine ziemlich müde Sache, die einen nicht mehr bewegt. Wenn aber das Staunen bleibt über unseren geheimnisvollen Gott und über die Auferstehung, dann hält sich der Glaube frisch.

Im Blick auf Ostern können wir nur stammeln, weil wir nur staunen können. Vielleicht wie die Kinder, die das Staunen noch nicht verlernt haben.
Den Kindern erzähle ich gerne einen Vergleich: von Raupe und Schmetterling. Was würde die Raupe staunen, wenn sie sich als Schmetterling sehen könnte! "Wie, das bin ich?", würde sie staunen. So anders, so schön? Eine solche Verwandlung ist möglich? Und es bleibt doch dasselbe Lebewesen?
Ja, eine solche Verwandlung wird zu Ostern gefeiert. Gott weckt Jesus auf von den Toten - als ersten der Menschen -. Und so beginnt Jesus wie der Schmetterling ein neues Leben, geht durch die große Verwandlung des Todes hindurch - und bleibt doch derselbe. Er erscheint mit den Wundmalen.

Paulus ist der erste, der davon schreibt. Geradezu stammelnd tut er das, wie erschlagen von der Botschaft: Jesus lebt! Er hat sich gezeigt! Er ist erschienen! Wortkarg kommt das daher, ohne Ausschmückung. Kein Wort zu viel. Nichts über das "Wie". Es bleibt unbeschreiblich. Ein Geheimnis. Aber alles hängt daran: "Wenn Christus nicht auferstand, dann ist unser Glaube vergeblich, sinnlos - dann könnten wir einpacken," schreibt Paulus.

Die Evangelisten haben es da nicht leicht. Sie wollen erzählen, sie wollen schreiben - aber beschreiben Sie mal das Unbeschreibliche! Das, was uns übersteigt, wofür uns die Worte fehlen! Die Evangelisten tun das so, sie schreiben z.B.: "Jesus kommt durch verschlossene Türen." Kann das jemand, mit seinem Leib durch verschlossene Türen gehen? Nein, natürlich nicht. Der Auferstandene ist also anders, ist verwandelt. Ist er dann ein Phantom, wie ein Gespenst? Nein, das auch nicht! Und darum wird heute so handgreiflich im Evangelium erzählt, dass der Auferstandene an einem Picknick teilnimmt, Hunger hat und einen gebratenen Fisch isst. Es bleibt also in der Schwebe: Gehen durch verschlossene Türen (übermenschlich) und Fisch essen (ganz menschlich), beides zugleich. Hauptsache: Er lebt! Er ist dabei - der große Mitgeher für alle Ewigkeit! Raum und Zeit können ihn nicht mehr einschränken. Er kommt nicht nur durch verschlossene Türen, sondern auch durch taube Ohren und verschlossene Herzen zu uns. Er lebt! - das ist unser Glaube in einem ganz kurzen Satz. Und wir sind die Zeugen dafür. Nicht Zeugen für einen Toten, für eine Mumie, an die man sich noch ein wenig erinnert. Nein, Zeugen für einen Lebenden, der auf seine Weise, auferstanden, in unserer Mitte lebt.

Auch Dichter sind erfahren darin, für das Unbeschreibliche dennoch Worte zu finden. So schließe ich mit einem Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz:

Glauben Sie, fragte man mich, an ein Leben nach dem Tode?
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich keine Auskunft zu geben
Wie das aussehen sollte - dort.

Ich wusste nur eines:
Keine Hierarchie von Heiligen auf goldenen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz verdammter Seelen in Richtung Hölle
Nur
nur Liebe
freigewordene niemals aufgezehrte Liebe
mich überflutend.

Mehr also, fragen die Frager,
mehr also erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antwortete:
Weniger nicht.