Verklärung: Jesus im Licht

Predigt am 17.03.2019

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Wenn im Fernsehen am Wochenende ein spannender Film gezeigt werden soll, dann gibt es schon Tage vorher Programmhinweise: eine Vorschau von zwanzig, dreißig Sekunden, die die Leute auf den Geschmack bringen soll. Die spannendsten Szenen sind kurz angedeutet, aber die Vorschau bricht beim Höhepunkt ab. Die Leute sind nun neugierig und motiviert, den Film in ganzer Länge am Sonntagabend einzuschalten.

So eine Art Programmvorschau ist dieses Evangelium. Worauf? Auf das vollkommene Glück, auf die Auferstehung und Ostern, auf die Herrlichkeit und den Glanz dessen, was dann mit Jesus geschieht. Der Einbruch des "Überirdischen", für das uns die Worte fehlen. Eigentlich kann man da nur stammeln, und wir können Petrus gut verstehen, der ja sonst mit dem Mund immer schnell dabei ist: "Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte."

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In welcher Situation waren die Jünger damals, als das auf dem Berg Tabor passierte? Sie alle spürten die Gefahr. Die Zahl der Gegner wuchs. Die Konflikte zwischen Jesus und den führenden Männern Israels verschärften sich. Verfolgung drohte, im schlimmsten Fall die Hinrichtung. Das Kreuz warf sozusagen seinen Schatten voraus. Nachts konnten sie wahrscheinlich nicht mehr ruhig schlafen. Petrus, immer vorneweg, wies den Gedanken an den drohenden Tod zurück: "Das verhüte Gott, das darf niemals geschehen!" Es war die Zeit, als Jesus seinen Kreuzweg ahnte: "Wer mein Jünger sein will, muss bereit sein, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir so nachzufolgen!" Den Jüngern dämmerte es: Der Weg mit Jesus ist kein idyllischer Spaziergang. Irgendein Kreuzweg kommt. Und für den gibt es keine Umgehungsstraße.

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In diese Dunkelheit fällt nun ein Licht - so wie auch uns in unseren trüben Tagen manchmal ein Licht aufgehen kann! Vielleicht kommt das Licht, wenn wir etwas Abstand nehmen, sozusagen "auf den Berg steigen", zur Ruhe kommen, nachdenken und beten. Jesus erlebt auf dem Berg eine Vorschau auf das Ende, auf das Ziel. Das Ende ist nicht Dunkelheit, sondern Glanz. Das Ende ist nicht das Kreuz. Das ist nur der Weg. Wie ein "Blitzlicht", kurz und strahlend, taucht hier schon Ostern auf - im Bild des hellen Lichts. Petrus nun will das fest halten. Das ist ganz menschlich! Es soll andauern, das tröstende Bild soll bleiben. Petrus schlägt vor, drei Hütten zu bauen für Jesus, für Mose und Elija, die beiden großen Gestalten des Alten Bundes, die auf ihre eigene Weise die Nähe Gottes erfahren hatten, in ihrer Einsamkeit und in ihrem Unverstandensein. Aber das ging nicht mit dem Hüttenbau. Denn es war ja noch nicht das Ziel, nur die Vorschau darauf. Jesus und seine Jünger müssen wieder herunter vom Berg, von diesem "Gipfelerlebnis". Herunter ins Tal, herunter in den Alltag und in die Arbeit. Herunter zu den Leuten, die sich bald wieder an Jesus herandrängen in ihrer Not und mit ihren Krankheiten und Leiden. Und so geht es durch das Tal hin zum nächsten Berg. Nach Golgota.

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Aber wir dürfen vermuten: Sie gehen anders. Entschlossener. Gestärkt, getröstet. Jahrzehnte später wird es im Petrusbrief heißen: "Wir sind nicht irgendwelchen Märchen und Fabeln gefolgt. Nein, wir sind Augenzeugen seiner Herrlichkeit gewesen auf dem Berge." So tief sind Jesus und seine Jünger davon geprägt worden. Es war noch nicht das Ziel - es war die Vorschau auf das Ziel, die sie gestärkt hat.

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Jeder von uns wird wohl auch so einen Weg der Dunkelheit kennen, eine dunkle Spur in seinem Leben. Gott bewahrt uns nicht vor diesem dunklen Weg und nicht vor Kreuz und Leid. Aber auf diesem dunklen Weg kann er uns stärken und bewahren: nicht vor dem Leid (wie wir das gerne hätten!), sondern im Leid. Und er kann uns solche Lichtblicke schenken, solche "Verklärung", in der das Ziel oder der große Zusammenhang, der Sinn deutlich aufscheint.

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Beispiel aus der Heiligen Schrift: Stephanus. Bald nach Jesu Himmelfahrt tritt er auf. Sein Herz brennt für Jesus. Er ist ein glühender Gläubiger. Viele Juden sind heftige Gegner. Als sie ihn im Hohen Rat verhörten, heißt es in der Apostelgeschichte: "Die Leute sahen sein Angesicht leuchten wie das eines Engels." Und als sie ihn steinigten, rief Stephanus aus: "Ich sehe den Himmel offen!" Mitten in der Steinigung, in seinem Untergang ein offener Himmel - wie eine Vorschau dessen, was Stephanus erhofft.

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Beispiel aus der Seelsorge. Als Kaplan habe ich einen alten, krebskranken Mann aus Schlesien betreut, der furchtbare Schmerzen hatte. Im Krankenhaus konnte man nichts mehr für ihn tun. Er war zuhause, aber seine Familie fühlte sich hilflos und sagte manchmal: "Es ist nicht zum Aushalten, mit ansehen zu müssen, wie unser Opa leidet - und man nicht helfen kann!" Ich brachte ihm die Kommunion. Und dann kam ein Strahlen, ein Leuchten in sein Gesicht, das ansonsten oft schmerzverzerrt war. Ich fragte ihn: "Haben Sie denn jetzt keine Schmerzen mehr?" Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. "Doch", sagte er. "Die Schmerzen sind genauso groß. Aber jetzt ist doch Jesus da!" Da hat ein Mann das Sterben vor Augen, große Schmerzen, und kann sagen: "Jetzt ist doch Jesus da", und er sagt das mit einem leuchtenden Gesicht!

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Das ist Verklärung auf dem dunklen Weg. Wir müssen ihn gehen. Wir können ihn nicht abkürzen. Aber Gott schenkt uns vielleicht einen Hinweis, eine Vorschau auf das Ziel, das er mit uns Menschen hat. Und dann können wir leuchten und strahlen. Strahlen, wie wenn man verliebt ist. Leuchten, wie wenn man die Liebe erfährt.