Arm und reich

Predigt am 30.09.2018

Arm und Reich - das war immer ein großes Thema. Auch in der Zeit der Bibel! In der Lesung schreibt der Apostel Jakobus: Den Arbeitern wird kein gerechter Lohn gegeben. Das schreit zum Himmel! Grund dafür ist eine Habgier, die kein Maß kennt. Sie macht blind für den Mitmenschen und für die Gerechtigkeit. Papst Franziskus sieht das ähnlich: Diese Wirtschaft tötet! Das wollen viele nicht hören. Jakobus nimmt auch kein Blatt vor den Mund, er sagt: Ihr habt euer Herz gemästet.

Ja, es gibt Menschen, die sich selber mästen, die nur um sich selber kreisen, nur an sich denken und für sich selber sorgen. Das ist: das gemästete Herz. Es hat einen Haken: Es verfault. Jakobus zeigt sehr anschaulich, wie vergänglich der Reichtum ist. Gold und Silber verrosten. Das Geld macht nicht wirklich glücklich. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Alles vergeht. Das gemästete Herz steht vor Gott mit leeren Händen. Und es ist ziemlich einsam, denn Treue, Freundschaft und Liebe kann man sich nicht erkaufen. Wer sich selber mästet, brauchte nicht die anderen und braucht auch nicht Gott. Er ist sich selbst genug.

Jakobus ist ein praktischer Mann. Er legt großen Wert auf das Tun. Glauben ist ein Tu-Wort! Er merkt: Viele Christen schon damals "predigen Wasser und trinken Wein", das heißt: Glaube und Leben passen nicht zusammen. Ihr Christsein wird unglaubwürdig. "Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach! Ja, nehmt das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt ist und die Macht hat, euch zu retten!", schreibt Jakobus. Wer aber sein Herz nur mästet, der kann Gottes Wort nicht mehr "zu Herzen nehmen" - es ist ja schon voll! Da geht nichts mehr rein. Es ist satt und träge, durch den Reichtum, der den Glauben sozusagen erstickt.

Ein Wort auch zum Evangelium: Da fällt mir eine starke Spannung auf. Der erste Teil zeigt eine große Offenheit und Großzügigkeit, die den Jüngern ziemlich fern ist. Die Jünger haben gemerkt: Da gibt es einige Leute, die psychische Krankheiten heilen und sich dabei auf Jesus berufen, obwohl sie nicht zu ihm gehören, sozusagen "außerhalb der Kirche" sind. Müsste Jesus das nicht verhindern, müsste er nicht dazwischen gehen? Die Antwort Jesu überrascht die Jünger: Wer nicht gegen uns ist, ist für uns! Diese Offenheit wird den Jüngern ans Herz gelegt. Paulus wird später sagen: Der Geist weht, wo er will - nicht immer da, wo wir ihn vermuten. Viele Menschen handeln auch heute im Sinne Jesu, auch außerhalb der Kirche, außerhalb "des Offiziellen", ohne ein Erlaubnisschreiben vom Bischof oder Pfarrer. Und es ist so gut, wenn alle Menschen "guten Willens" zusammen arbeiten für den Frieden, für Notleidende und Flüchtlinge, für Kranke und Behinderte, wenn es eine "große Koalition" gibt von denen, die Jesu Wort von der Nächstenliebe sich zu Herzen nehmen - egal, welcher Religion sie angehören.

Lassen wir das mal so stehen und schauen auf den zweiten Teil des Evangeliums. Der klingt nun sehr scharf, weltfremd, radikal! "Wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus!" Jetzt geht es Jesus nicht mehr um das Tun anderer, sondern um die Ernsthaftigkeit in der eigenen Nachfolge Jesu. Der Jünger, der Christ richtet sich aus auf das Gute. Und das heißt dann auch: Er räumt aus und räumt weg, was dem Guten im Weg steht. Jesus redet sehr drastisch und bildhaft: Reiß das Auge heraus, wenn es nicht im Dienst am Guten steht, wenn es dem Bösen dient und Schaden anrichtet. So legt Jesus seinen Jüngern, die sich gerade noch über andere aufgeregt haben, den Ernst der Nachfolge ans Herz. Jesus ist nicht der liebe harmlose Gutmensch, der allen alles versprochen hat. Er stellt die Menschen auch vor eine Wahl: nämlich das Gute zu wählen und das Böse zu meiden. Wähle, aber wähle das Leben und alles, was dem Leben dient! Halbherzigkeit und Neutralität ist bei Jesus nicht vorgesehen.